Folge 60: Beruf und Berufung im Horoskop: Was will durch mich in die Welt?
Was ist eigentlich meine Berufung? Welcher Beruf passt wirklich zu mir? Und kann man im Horoskop erkennen, wofür man auf die Welt gekommen ist?
Mit diesen Fragen beschäftigen sich viele Menschen irgendwann in ihrem Leben. Gerade dann, wenn der bisherige Beruf nicht mehr richtig passt, eine Veränderung ansteht oder man das Gefühl hat, dass da eigentlich noch etwas anderes auf einen wartet.
In der Astrologie gibt es einige Bereiche im Geburtshoroskop, die uns Hinweise auf unsere beruflichen Anlagen, Talente und unser Wirken in der Welt geben können. Besonders bekannt sind dabei das 10. Haus und das Medium Coeli (MC). Aber wenn wir uns das Thema Berufung genauer anschauen, wird schnell deutlich, dass die Antwort nicht einfach in einer bestimmten Position im Horoskop zu finden ist.
Denn Beruf und Berufung sind nicht unbedingt dasselbe.
Was ist der Unterschied zwischen Beruf und Berufung?
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Fragen überhaupt, wenn wir uns astrologisch mit diesem Thema beschäftigen.
Ein Beruf ist zunächst einmal etwas sehr Konkretes: eine Tätigkeit, mit der wir unseren Lebensunterhalt verdienen, in der wir bestimmte Aufgaben übernehmen und für die wir bestimmte Fähigkeiten einsetzen.
Berufung kann viel größer sein.
Sie muss nicht zwangsläufig an einen bestimmten Job oder eine Berufsbezeichnung gebunden sein. Ein Mensch kann beispielsweise eine starke Berufung erleben, Räume für andere Menschen zu halten, kreativ zu arbeiten, Wissen weiterzugeben, Systeme zu verändern oder für andere Menschen da zu sein, ohne dass sich das automatisch in einem einzigen Beruf ausdrücken muss.
Im Gespräch für diese Folge kam deshalb auch die Idee auf, Berufung eher als einen Zustand oder eine innere Erfahrung zu verstehen. Es geht um das Gefühl, mit etwas in Resonanz zu sein und zu erleben: Das hier fühlt sich nach mir an.
Und genau dadurch wird die Frage nach der eigenen Berufung viel interessanter.
Kann man Berufung im Geburtshoroskop erkennen?
Ja – aber nicht im Sinne eines astrologischen Berufsfindungstests.
Wenn wir uns ein Geburtshoroskop anschauen, können wir verschiedene Ebenen betrachten, die etwas darüber erzählen, wie ein Mensch in der Welt wirken möchte, welche Fähigkeiten er mitbringt und welche Entwicklungsthemen ihn begleiten.
Der erste klassische Anhaltspunkt ist dabei das Medium Coeli, kurz MC, und das zehnte Haus.
Das 10. Haus und das Medium Coeli
Das zehnte Haus und der MC werden in der Astrologie traditionell stark mit unserer öffentlichen Rolle, unserem Wirken und unserer Sichtbarkeit in der Welt verbunden.
Deshalb ist es sinnvoll, zunächst zu schauen, welches Zeichen am MC steht, ob sich Planeten im zehnten Haus befinden und welche Aspekte diese Punkte bilden.
Aber auch hier lohnt es sich, nicht zu schnell zu einer konkreten Berufsbezeichnung zu springen. Ein Widder-MC bedeutet beispielsweise nicht automatisch „Du sollst Unternehmer werden“, genauso wenig wie ein MC im Krebs zwangsläufig bedeutet, dass jemand im sozialen Bereich arbeiten muss.
Das Horoskop beschreibt zunächst Qualitäten und Themen. Wie diese sich tatsächlich im Leben ausdrücken, kann sehr unterschiedlich aussehen.
Deshalb schauen wir bei einer astrologischen Berufungsanalyse nicht nur auf den MC, sondern immer auf das gesamte Horoskop – unter anderem auf Sonne und Aszendent und darauf, wie diese verschiedenen Ebenen miteinander verbunden sind.
Das 2. und 6. Haus: Talente, Arbeit und Alltag
Neben dem zehnten Haus sind auch das zweite und sechste Haus interessant, wenn wir uns mit Beruf und Arbeit beschäftigen.
Das sechste Haus hat viel mit unserem Alltag, unseren Aufgaben und dem zu tun, was wir regelmäßig tun und leisten. Es kann deshalb Hinweise darauf geben, wie wir arbeiten und welche Art von Tätigkeit wir in unserem täglichen Leben brauchen.
Das zweite Haus wiederum erzählt unter anderem von unseren Talenten, Fähigkeiten und Ressourcen – also von dem, was uns zur Verfügung steht und was wir in die Welt einbringen können.
Zusammen mit dem zehnten Haus entsteht dadurch ein viel differenzierteres Bild.
Denn vielleicht ist das, womit wir unser Geld verdienen, nicht das Gleiche wie das, was wir als unsere tiefste Berufung empfinden. Vielleicht gibt es Fähigkeiten, die wir bisher nur für uns selbst genutzt haben. Oder eine Qualität, die sich in unserem Beruf überhaupt noch nicht ausdrücken kann.
Der Mondknoten und die evolutionäre Perspektive
Wenn wir uns dem Thema aus der Perspektive der Evolutionary Astrology nähern, kommt noch eine weitere Ebene hinzu.
Hier werden unter anderem Pluto, der Pluto-Polarity-Point und die Mondknotenachse betrachtet. Auch Saturn, Chiron und der Mond können wichtige Hinweise geben, wenn wir verstehen wollen, welche Themen uns in unserem Leben begleiten und wie wir uns entwickeln.
Die Frage verändert sich dadurch ein Stück weit.
Es geht nicht mehr nur darum:
„Was soll ich beruflich machen?“
Sondern eher um die Frage:
„Wer bin ich – und wer möchte ich in diesem Leben sein?“
Das ist eine viel größere Frage als die nach dem richtigen Job. Und vielleicht ist genau deshalb die Vorstellung von einer einzigen, bereits feststehenden Berufung auch so problematisch.
Warum die Suche nach dem „perfekten Beruf“ uns auch blockieren kann
Wir leben in einer Zeit, in der Berufung fast zu einem eigenen Ideal geworden ist.
Wir sollen nicht einfach arbeiten, sondern etwas tun, das uns erfüllt. Wir sollen unsere Talente leben, unsere Leidenschaft zum Beruf machen und möglichst auch noch einen tieferen Sinn darin finden.
Das kann inspirierend sein – aber es kann auch enormen Druck erzeugen.
Denn plötzlich scheint jeder Job, der nicht vollkommen erfüllend ist, ein Zeichen dafür zu sein, dass wir „noch nicht angekommen“ sind.
Und genau hier kann die Suche nach der perfekten Berufung zu einer Falle werden. Wenn wir glauben, dass irgendwo die eine Tätigkeit existiert, die uns vollständig erfüllt, verschieben wir die Verantwortung für unser Erleben nach außen. Dann brauchen wir nur noch den richtigen Job, den richtigen Ort oder die richtige Aufgabe zu finden, und endlich werden wir uns richtig fühlen.
Vielleicht ist Berufung aber weniger ein Ziel, das wir irgendwann erreichen, sondern eher ein Weg, auf dem wir immer wieder in Kontakt mit uns selbst kommen.
Berufung muss nicht monetarisiert werden
Ein weiterer spannender Punkt aus unserer Folge ist die Frage, ob wirklich alles, was uns zutiefst entspricht, zu unserem Beruf werden muss.
Vielleicht liegt eine große Berufung eines Menschen darin, Mutter oder Vater zu sein. Vielleicht ist jemand dazu berufen, Kunst zu machen, ohne sie jemals zu verkaufen. Vielleicht hält jemand Räume für andere Menschen, engagiert sich politisch oder verändert innerhalb eines Systems etwas, das ihm nicht mehr entspricht.
Nicht alles, was bedeutungsvoll ist, muss einen Preis bekommen.
Und vielleicht müssen wir auch nicht jede Begabung in eine Marke, ein Business oder ein Geschäftsmodell verwandeln.
Das öffnet einen viel größeren Blick auf das Thema Berufung und darauf, was wir überhaupt als „Wirken in der Welt“ verstehen.
Das Horoskop zeigt keine feste Form
Genau deshalb würden wir Berufung auch nicht als eine einzige festgelegte Form verstehen.
Das Horoskop kann bestimmte Themen, Qualitäten und Entwicklungslinien sichtbar machen. Aber wie diese sich im Leben ausdrücken, kann sich verändern.
Was mit 25 Jahren eine wichtige Form gefunden hat, kann mit 40 plötzlich ganz anders aussehen. Ein Talent kann zunächst im Beruf auftauchen und später in einem völlig anderen Lebensbereich. Eine Erfahrung, die wir früher vielleicht als Umweg betrachtet haben, kann sich rückblickend als wichtiger Teil unseres Weges herausstellen.
Berufung ist deshalb eher ein Spektrum als eine festgelegte Form.
Und vielleicht ist das sogar eine der befreiendsten Perspektiven, die uns die Astrologie geben kann.
Woran erkenne ich, dass ich meiner Berufung nahe bin?
Vielleicht nicht daran, dass wir den perfekten Berufstitel gefunden haben.
Sondern daran, dass wir uns in dem, was wir tun, zunehmend stimmig und verbunden fühlen.
Dass wir eine Resonanz mit dem erleben, was uns umgibt. Dass wir das Gefühl haben, etwas von uns selbst in die Welt zu bringen. Dass wir nicht ständig versuchen müssen, jemand anderes zu sein, um unsere Arbeit gut machen zu können.
Dabei muss nicht jeder Tag groß, inspirierend oder sinnvoll sein. Berufung bedeutet nicht, dass wir plötzlich keine langweiligen Aufgaben mehr haben oder jeden Morgen voller Begeisterung aufstehen.
Es geht vielmehr um eine tiefere Form von Kohärenz: um das Gefühl, dass das, was wir tun, mit dem Menschen verbunden ist, der wir sind und werden möchten.
Was sagt dein Horoskop über deine Berufung?
Wenn du dich mit deiner eigenen Berufung beschäftigst, lohnt es sich deshalb, nicht nur nach dem MC zu schauen.
Schau auf das 10. Haus und das Medium Coeli, aber genauso auf deine Sonne, deinen Aszendenten, das 2. und 6. Haus und die Mondknotenachse. In einer evolutionär-astrologischen Betrachtung kommen außerdem Pluto und weitere Faktoren hinzu.
Vor allem aber lohnt sich die Frage, die hinter all diesen astrologischen Symbolen liegt:
Was möchte durch mich in diese Welt kommen?
Und vielleicht ist die Antwort darauf nicht ein bestimmter Beruf.
Vielleicht ist sie eine Qualität, eine Haltung oder eine Art, mit anderen Menschen und mit dem Leben in Beziehung zu sein.
Vielleicht müssen wir unsere Berufung deshalb gar nicht finden.
Vielleicht geht es vielmehr darum, immer wieder zu spüren, wo wir in unserem Leben in Resonanz kommen – und den Mut zu haben, diesem Gefühl zu folgen.
🎧 Hör jetzt in die Folge rein
Was genau hat unser Geburtshoroskop mit Beruf und Berufung zu tun? Welche Rolle spielen MC, 10. Haus, Sonne, Mondknoten und Pluto? Und warum glauben wir eigentlich so schnell, dass unsere Berufung ein bestimmter Job sein muss?
Darüber sprechen wir ausführlich in unserer neuen Folge von ASTRO UNPLUGGED.
Hör hier in die Folge rein und erfahre, was dein Horoskop über deinen ganz persönlichen Weg von Beruf und Berufung erzählen kann.